
Welche Rollen darf die KI beim Schreiben übernehmen – und welche nicht?
Stand der Fakten: 17. Oktober 2026
Genauer
Was die KI darf:
- Recherche mit Quellen. Sie ist dort am genauesten, wo die KI den ganzen Zusammenhang kennt.
- Gedächtnis. Ein Archiv außerhalb deines Kopfes, das auch Verworfenes aufhebt. Das macht es leichter, einen falschen Einfall loszulassen.
- Fragen stellen, Fehler melden, erstes Publikum sein – aber nur als Vorstufe zu echten Leser*innen.
- Glätten auf Zuruf, in kleinen Portionen.
- Formatierung und Begleittexte, die anderen als Arbeitsgrundlage dienen.
Was die KI nicht darf:
- Text in deiner Stimme schreiben, der bleibt. Dialoge erfinden.
- Muse sein. Anstöße, Lob und Kritik brauchen Menschen; schon die Zahl verschiedener Blickpunkte nützt.
- Still korrigieren. Siehe Wie bringe ich die KI dazu, meinen Text nicht ungefragt zu verändern?
- Große Textmengen auf einmal zur Freigabe vorlegen. Dann übersieht man, was sich verschoben hat.
- Dein Rohmaterial sortieren – wenn das Sortieren für dich schon Schreiben ist.
Sortieren
Gliedern und Plotten gehören zu den häufigsten Aufgaben, die Schreibende einer KI geben. Ob du das tun solltest, hängt davon ab, wo bei dir das Schreiben beginnt. Beginnt es beim Ordnen, nimmt dir die KI mit dem Vorsortieren genau den Teil ab, der deiner ist. Dann gilt: Das Material bleibt in der Reihenfolge liegen, in der es eingegangen ist. Die KI darf darin suchen und Fundstellen mit ihrer Umgebung zurückbringen, aber nicht vorschlagen, was zusammengehört. Verlangst du doch eine Ordnung, liefert sie mehrere, die einander widersprechen, damit keine davon die deine wird.
Rollen festlegen und nachführen
Die Verteilung ist kein Zustand, sondern eine Arbeit. Sie verschiebt sich mit dem Projekt. Bei einem Theaterstück hatte das Modell in der Schreibphase dreizehn Rollen, nach der Abgabe nur noch drei: Ablage führen, gegen den Stücktext prüfen, Chronik schreiben – Rollen ohne eigenen Anteil am Werk. Und arbeiten mehrere KIs zusammen, gilt: eine KI je Fähigkeit, und was sie kann, wird gemessen, nicht angenommen.
Aus der Praxis
Thomas J. Weiss hat bei seinem Theaterstück die Rollen vom ersten Tag an festgelegt. Text, Dramaturgie und Sortieren blieben bei ihm. Im Diktat für einen Vortrag hat er erklärt, warum:
Und wenn ich die KI vorsortieren lasse, dann ist meine Kreativität kaputt und am Ende kommt das schlechtere Ergebnis raus. Also die Definition von Rollen, was macht der Mensch, was macht die KI, muss man ständig vornehmen, und sie ist essenziell.
Den Anhang des Stücks – Spielzeit, Licht, Requisiten – hat er dagegen ganz dem Modell überlassen:
Ich könnte den Anhang selbst nicht besser schreiben als die KI. Beim eigentlichen Stück aber kann ich es meines Erachtens besser.
Zur Frage, welche Rolle die riskanteste sei:
Wenn alles wohldosiert ist, dann geht das auch.
Quellen
- Interview „Wie wir zusammen schreiben“, 17.10.2026, und Interview zur Bilanz des Theaterstücks, Blöcke B, C, G, 02.09.2026
- Regeln des Theaterprojekts, Bilanz vom 02.09.2026, und Nachtrag zur Rollenverteilung vom 05.09.2026
- Diktat für einen Vortrag, 10.10.2026
Zitieren: Thomas J. Weiss: „Welche Rollen darf die KI beim Schreiben übernehmen – und welche nicht?“ replicapong.de, Stand 17. Oktober 2026. https://replicapong.de/de/frage/rollen-beim-schreiben/ – CC BY 4.0